18.06.2026
Deutscher Verein: Gleichstellung der Geschlechter verwirklichen
Die neue EU-Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter setzt den politischen Rahmen für die Jahre 2026 bis 2030. Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. setzt sich für eine engagierte Umsetzung ein.
Mit seiner aktuellen Stellungnahme wendet sich der Deutsche Verein daher an die Bundesregierung für ihr Handeln im Rat der EU und für die Umsetzung der Strategie in Deutschland. Inhaltliche Schwerpunkte sind dabei die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben, die Gleichstellung der Geschlechter bei Pflege- und Betreuungsaufgaben sowie der Schutz vor Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt.
„Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. begrüßt die Initiative der Europäischen Kommission und die Zielsetzung der EU-Strategie, eine geschlechtergerechte Gesellschaft zu verwirklichen“, so Dr. Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Deutschen Vereins. „Weil die Strategie nicht rechtsverbindlich ist, ist sie für die Erreichung echter Fortschritte und Verbesserungen in der Lebenswirklichkeit auf entschlossenes Handeln aller staatlichen Ebenen und der Zivilgesellschaft angewiesen. Wir brauchen eine engagierte Umsetzung in Deutschland und den Mitgliedstaaten, um die Chancen, die das gemeinsame Vorgehen auf Grundlage der EU-Strategie bietet, zu nutzen und die angestrebten Verbesserungen in diesem wichtigen Handlungsfeld zu erreichen.“
Der Deutsche Verein setzt sich für die Stärkung der ökonomischen Eigenständigkeit von Frauen ein und fordert eine gezielte Unterstützung von Alleinerziehenden. Für die Verwirklichung der Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben und die ausgewogenere Beteiligung von Frauen und Männern an der Pflege- und Betreuungsarbeit braucht es in Deutschland u.a. eine Stärkung der Auszeiten für die Sorgearbeit, insbesondere im Bereich Elternzeit, Elterngeld, Pflegezeit und Familienpflegezeit. Eine zuverlässige und hochwertige Betreuungs- und Bildungsinfrastruktur sollte vor Ort bereitgestellt und der Zugang zu erschwinglicher und qualitativ guter Langzeitpflege verbessert werden.
Zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt setzt sich der Deutsche Verein für die konsequente Umsetzung der entsprechenden EU-Richtlinie in Deutschland mit ausreichenden Schutzplätzen und Beratungsangeboten durch eine bundesweit möglichst einheitliche Ausgestaltung des Hilfesystems ein. Er begrüßt dazu auch die Ankündigung von neuen EU-Leitlinien zur Vernetzung und Zusammenarbeit bei der Verhütung und Bekämpfung von Gewalt in diesem Bereich. Diese wären ein entscheidender Baustein, um ein einheitliches Vorgehen gegen Gewalt gegen Frauen in allen Mitgliedstaaten zu erreichen, sowie wirksamen Schutz und effektive Strafverfolgung zu gewährleisten – auch bei Taten über Ländergrenzen hinweg. Der Deutsche Verein fordert die angemessene Berücksichtigung von familiärer Gewalt in grenzüberschreitenden Familienkonflikten und empfiehlt hier die Anwendung der Ottawa-Grundsätze des Internationalen Sozialdienstes (ISD).
Die Europäische Kommission hat am 5. März 2026 die Mitteilung „Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter 2026-2030“ veröffentlicht, die den politischen Rahmen für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf Ebene der Europäischen Union und der Mitgliedstaaten mit ihren Regionen und Kommunen setzt. In der EU-Strategie fordert die Kommission die Mitgliedstaaten auf, bis Ende 2027 nationale Aktionspläne (NAP) für die Gleichstellung der Geschlechter aufzustellen, um die Verwirklichung der Grundsätze des Fahrplans für Frauenrechte auf nationaler Ebene voranzubringen. In Deutschland wurde im Koalitionsvertrag vereinbart: „Um Gleichstellung schneller zu erreichen, führen wir die ressortübergreifende Gleichstellungsstrategie weiter.“ Die Bundesregierung hat mitgeteilt, dass die weiterentwickelte Gleichstellungsstrategie 2026 im Kabinett beschlossen werden soll. Der Deutsche Verein nimmt vor diesem Hintergrund zu ausgewählten Aspekten der EU-Strategie Stellung und zeigt seine Positionen und Forderungen zur Umsetzung in Deutschland auf, auch um den europäischen fachlichen Austausch in diesen wichtigen Handlungsfeldern zu stärken.