22.05.2026
Vermissen hat viele Gesichter – Zum Internationalen Tag der vermissten Kinder am 25. Mai 2026
Wenn von vermissten Kindern die Rede ist, werden ganz unterschiedliche Sachverhalte assoziiert:
Manchmal verschwinden Kinder, werden vermisst, keiner weiß wo sie sind – sie werden gesucht – und tauchen zum Glück schnell, meist nach wenigen Stunden, wieder auf. Und kehren zurück. Das kann passieren, weil sie sich etwa beim Spielen verlaufen, in Menschenmengen von ihren Begleitpersonen getrennt werden. Weglaufen, nach Streit in der Schule oder Zuhause. Oder auch als Ergebnis von Missverständnissen in der Kommunikation, weil etwa Absprachen zu ihrem Aufenthaltsort nicht klar getroffen wurden. Glücklicherweise haben diese kurzzeitigen Abwesenheiten den größten Anteil an der Zahl vermisster Kinder.
Ganz wenige verschwinden, werden vermisst, keiner weiß wo sie sind und tragischerweise tauchen sie länger nicht oder gar nicht wieder auf. Sie erleiden einen Unfall, werden Opfer von Menschenhandel Minderjähriger oder von der eigenen Familie verschleppt, ohne Hinweise auf ihren neuen Aufenthaltsort.
Und es gibt Kinder, die verschwinden und es ist bekannt wo sie sind. Sie müssen nicht unbedingt gesucht werden, oft wissen alle Zurückbleibenden wo sie sind. Sie haben sich nicht verlaufen, sind nicht verloren gegangen, sind nicht allein – sie sind bei einem Teil ihrer Familie, bei einem Elternteil, der sie über alles liebt. Und doch werden sie schrecklich vermisst. Vom anderen Elternteil, von einem Teil ihrer Familie, von Klassenkamerad*innen und Musikschulfreund*innen, vorn Lehrern und Nachbarn. Und die vermissten Kinder vermissen selbst ihren anderen Elternteil, einen Teil ihrer Familie, ihre Freunde und ihr gewohntes Umfeld. Es sind Kinder, die oft ohne Vorbereitung, ohne Vereinbarungen und ohne rechtliche Erlaubnis in der Eskalation eines Familienstreits entführt wurden. Die von einem Elternteil mitgenommen wurden, in ein anderes Land, ohne die Zustimmung des anderen Elternteils und ohne die Möglichkeit, sich von ihren Angehörigen verabschieden zu können. Die Gründe für eine solche Entführung sind vielfältig, die Erfahrungen der Betroffenen auch. Ebenso die Optionen, die für den weiteren Verlauf bleiben. Was allen Betroffenen gemein ist, ist das Vermissen. Und die Hoffnung, dass dieses Vermissen durch eine gute Entwicklung nachlässt. Wie auch immer diese Entwicklung im Einzelfall aussieht.
Weitere Infos:
Die Zentrale Anlaufstelle für grenzüberschreitende Kindschaftskonflikte (ZAnK) berät und informiert, wenn Konflikte in der Familie einen Auslandsbezug haben: www.zank.de
Aktualisierte Handreichung des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. zur grenzüberschreitenden Einzelfallarbeit in der Kinder- und Jugendhilfe (Deutsche Fassung)
Guidelines by the German Association for Public and Private Welfare on cross-border case work in child and youth welfare (English version)