Interview mit Prof. Dr. Angela Beranek

Prof. Dr. Angelika Beranek ist Studiendekanin der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften an der Hochschule München und leitet den Studiengang „Soziale Arbeit, Forschung und Digitalisierung“. In unserem aktuellen Themenheft „Digitalisierung und KI in der Sozialen Arbeit“ hat sie den einführenden Beitrag verfasst.

Im Interview sprachen wir u.a. darüber, wie KI die Soziale Arbeit unterstützen kann, welche Auswirkungen der Einsatz von KI auf die Arbeitsbedingungen haben kann. 

dv aktuell: Liebe Frau Prof. Dr. Beranek, wie kann Künstliche Intelligenz die Soziale Arbeit unterstützen? Nennen Sie uns ein paar Beispiele.
Beranek: Künstliche Intelligenz kann, wenn sie richtig gestaltet wurde, vielfältig unterstützen. Zum einen kann sie als eine Art zusätzliches Teammitglied in Fallbesprechungen unterstützen und wertvolle Anregungen geben, zum anderen kann sie in onlinebasierten Tätigkeitsbereichen wie der Onlineberatung helfen. Hier könnte sie sowohl Erstgespräche übernehmen als auch während der eigentlichen Beratung den Prozess unterstützen.

dv aktuell: Können KI-Systeme und Roboter langfristig die Arbeit von Fachkräften übernehmen? Welche Auswirkungen auf deren Arbeitsbedingungen sehen Sie?
Beranek: Die komplette Arbeit von Fachkräften können sie meiner Meinung nach nicht übernehmen. Was möglich ist, ist eine Ergänzung und Hilfestellung bei vielen Prozessen. Wenn jetzt – und das ist die wichtige Voraussetzung hierfür – die Soziale Arbeit selbst gestalterisch tätig wird, kann KI ein hilfreiches Mittel werden, um beispielsweise Verwaltungsprozesse zu vereinfachen und somit Platz für mehr pädagogische Arbeit im Arbeitsalltag zu schaffen.

dv aktuell: Die Anwendung Künstlicher Intelligenz impliziert auch ethische Fragestellungen. Wie sollte sich die Soziale Arbeit diesen stellen?
Beranek: Natürlich muss sie sich diesen stellen. Gerade jetzt, wo die Entwicklung neuer Anwendungen sehr schnell geht, sollte gut überlegt werden, wo KI in der Sozialen Arbeit Sinn macht. Werden die Anwendungen nur von Expert*innen außerhalb der Sozialen Arbeit entwickelt, besteht die Gefahr, dass Diskriminierungen oder Ausschlüsse in den Systemen eingeschrieben werden, die den Grundsätzen der Sozialen Arbeit widersprechen. Anwendungen sollten nie nur aus rein wirtschaftlichen Interessen entwickelt und eingesetzt werden.

Zur Person
Prof. Dr. Angelika Beranek
ist Studiendekanin der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften an der Hochschule München und leitet den Studiengang „Soziale Arbeit, Forschung und Digitalisierung“. In unserem aktuellen Themenheft „Digitalisierung und KI in der Sozialen Arbeit“ hat sie den einführenden Beitrag verfasst.