13.02.2026

One Billion Rising und Dunkelfeldstudie LeSuBiA: Istanbul-Konvention, EU-Gewaltschutzrichtlinie und Gewalthilfegesetz konsequent umsetzen

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Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. erinnert anlässlich der globalen Initiative „One Billion Rising“ am 14. Februar 2026 daran, dass Deutschland mit der Istanbul-Konvention (IK) umfassend verpflichtet ist, Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt wirksam zu verhindern, zu verfolgen und Betroffenen Schutz und Unterstützung zu gewährleisten und weist daneben auf das Erfordernis der vollständigen und fristgerechten Umsetzung der EU-Gewaltschutz-Richtlinie des in Deutschland vor einem Jahr verabschiedeten Gewalthilfegesetzes hin.

Der Deutsche Verein unterstützt die weltweite Aktion „One Billion Rising“ als wichtiges und starkes Signal gegen Gewalt an Frauen und Mädchen und nimmt den Aktionstag zum Anlass, auf bestehende Umsetzungsdefizite im nationalen Gewaltschutz bei geschlechtsspezifischer Gewalt und häuslicher Gewalt hinzuweisen.

„Die konsequente Umsetzung der IK, der EU-Gewaltschutzrichtlinie und des Gewalthilfegesetzes ist unverzichtbar, um Betroffenen in Deutschland verlässlichen Schutz und Unterstützung zu sichern und ein wichtiges Signal für die Glaubwürdigkeit von Politik, aber auch für den Zusammenhalt in der Gesellschaft“, erklärt Nora Schmidt, Geschäftsführerin des Deutschen Vereins. Zugleich macht sie deutlich, dass von geschlechtsspezifischer Gewalt und häuslicher Gewalt sehr oft minderjährige Kinder (mit)betroffen sind.

Die diese Woche veröffentlichte Dunkelfeldstudie LeSuBiA deckt nicht nur das wahre Ausmaß der starken Betroffenheit von Frauen auf (Anzeigeverhalten unter fünf Prozent), sondern belegt auch die Schwierigkeit, bedarfsgerechte Hilfsmaßnahmen zu finden, um sich aus einer Gewaltbeziehung zu lösen. Deutschland ist mit der Ratifikation der IK bereits seit 2018 völkerrechtlich verpflichtet, umfassende Maßnahmen zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt zu ergreifen und ein wirksames, koordiniertes Hilfesystem bereitzustellen.

„Auch wenn bei Frauen die Schwere und Inzidenz der Gewalt meist höher ist, hat die Dunkelfeldstudie jedoch auch aufgezeigt, dass auch Männer von psychischer als auch körperlicher Gewalt in (Ex-) Partnerschaften deutlich stärker betroffen sind, als bisher sichtbar war“, erläutert Nora Schmidt. „Darüber hinaus tragen jüngere Menschen bei fast allen Gewaltformen das höchste Risiko, wobei mehr Mädchen als Jungen von psychischer und sexueller Gewalt betroffen sind. Bei Jugendlichen stechen sexuelle sowie digitale Gewalt besonders hervor.“

Mit der Verabschiedung der EU-Gewaltschutzrichtlinie (13. Juni 2024), die in Deutschland bis zum 14. Juni 2027 in nationales Recht umgesetzt werden muss, unterstützt auch die Europäischen Union aktiv die Realisierung der Vorgaben der IK. Mit dem Gewalthilfegesetz ist aus Sicht des Deutschen Vereins nunmehr ein zentrales Instrument in Deutschland geschaffen worden, um die Vorgaben der IK und der Gewaltschutzrichtlinie in ein kohärentes, flächendeckend wirksames Hilfesystem zu überführen und bestehende Versorgungslücken, etwa bei Schutzplätzen und spezialisierten Beratungsstellen, nachhaltig zu schließen.

Der Deutsche Verein erarbeitet gegenwärtig Empfehlungen zur Umsetzung des Gewalthilfegesetzes und weist in diesem Zusammenhang auf seine Empfehlungen zur Absicherung des Hilfesystems für von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffene Mädchen, Frauen und ihre Kinder aus dem Jahr 2022 hin: https://www.deutscher-verein.de/empfehlungen-stellungnahmen/detail/empfehlungen-des-deutschen-vereins-zur-absicherung-des-hilfesystems-fuer-von-geschlechtsspezifischer-gewalt-betroffene-maedchen-frauen-und-ihre-kinder/

Fachveranstaltungen

30.11. bis 01.12.2026

Die Umsetzung des Gewalthilfegesetzes im Lichte der IK: Herausforderungen und Chancen für das deutsche Hilfesystem für von häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt betroffene Frauen und (mit)betroffene Kinder

Weitere Infos: https://www.deutscher-verein.de/events/detail/die-umsetzung-des-gewalthilfegesetzes-im-lichte-der-ik/

Grafik: www.onebillionrising.de