2020

30.04.2020 – Empfehlungen des Deutschen Vereins für die Weiterentwicklung der Aus- und Weiterbildung für (sozialpädagogische) Fachkräfte und Lehrende für den Bereich der Kindertagesbetreuung

Vorbemerkung
Die Kindertagesbetreuung[1] ist ein dynamischer und stark wachsender Teilarbeitsmarkt innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe bzw. des Bildungssektors.[2] Zum Vergleich: 2017 waren im Bereich der frühen Erziehung, Bildung und Betreuung 736.600 Beschäftigte (2018: ca. 768.260)[3] und an den Allgemeinbildenden Schulen 763.300 Lehrer/innen[4] tätig. Trotz des enormen Wachstums besteht aktuell und auch in den kommenden Jahren ein erhöhter Fachkräfte- und Personalbedarf. Schätzungen gehen davon aus, dass für den weiterhin notwendigen Ausbau der Angebote für Kinder unter drei Jahren, der Ganztagseinrichtungen für die Drei- bis Sechsjährigen sowie den geplanten Rechtsanspruch auf ganztägige Erziehung, Bildung und Betreuung für Kinder im Grundschulalter bis zum Jahr 2025 je nach Szenario bis zu 400.000 sozialpädagogische Fachkräfte für das System Kindertagesbetreuung benötigt werden.[5] Hieraus resultiert aktuell und zukünftig ein Wettbewerb nicht nur innerhalb der Sozialen Berufe, sondern auch mit anderen Berufen.

Diese Entwicklungen haben Folgen für die Aus- und Weiterbildung: Die Expansion und Ausdifferenzierung des Arbeitsfeldes führt auch zum Ausbau und zur Ausdifferenzierung des Aus- und Weiterbildungssystems.[6] Um dem wachsenden Fachkräftebedarf und -mangel wie auch den steigenden Anforderungen an eine Tätigkeit in den Kindertageseinrichtungen begegnen zu können, gab es in den letzten Jahren immer wieder verstärkte Bemühungen der Länder, der Ausbildungsinstitutionen, der Anstellungsträger sowie Impulse des Bundes[7] nicht nur mehr Schulplätze zu schaffen, sondern die Aus- und Weiterbildung auch so zu gestalten, dass sie noch attraktiver wird, z.B. durch Ausbildungsmodelle mit Vergütung der Praxiszeiten, Erhöhung der Durchlässigkeit innerhalb der Aus- und Weiterbildungsformen, die Schaffung von Zugängen für Menschen aus anderen Berufsfeldern bzw. mit ausländischen Berufsabschlüssen und die Rückgewinnung von Wiedereinsteiger/innen.

Gleichzeitig entstanden explizite akademische Studiengänge (grundständig oder als Weiterbildung) für den Bereich der frühen Erziehung, Bildung und Betreuung sowie die damit oft einhergehende staatliche Anerkennung zur Kindheitspädagogin/zum Kindheitspädagogen. Des Weiteren öffne(te)n der überwiegende Teil der Länder ihre sogenannten Fachkraftkataloge bzw. Fachkraftverordnungen,[8] um hierüber neue und andere (nicht) einschlägig qualifizierte Personen für die Arbeit in den Kindertagesbetreuungsangeboten gewinnen zu können. Damit entstanden und entstehen eine Vielzahl an Berufs- und Arbeitsfeldzugängen in den Ländern.





[1] Der Begriff "Kindertagesbetreuung" umfasst hier das Angebot und Verständnis der öffentlichen Erziehung, Bildung und Betreuung gemäß §§ 22 ff. SGB VIII. Der Fokus dieser Empfehlungen liegt auf den Kindertageseinrichtungen bzw. Horten. Zu Fragen der Qualifizierung für die Kindertagespflege hat sich der Deutsche Verein in den vergangenen Jahren bereits mehrfach geäußert, zuletzt s. "Empfehlungen des Deutschen Vereins zur Sicherung und Weiterentwicklung der Kindertagespflege" (DV 32/16), S. 11 f., zu finden unter: https://www.deutscher-verein.de/de/kindheit-jugend-familie-alter-kindheit-1277.html#A1899
[2] Vgl. hierzu auch Autorengruppe Fachkräftebarometer: Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2019 (i.F. Fachkräftebarometer 2019), Deutsches Jugendinstitut, München 2019, S. 101 f. Anzumerken ist, dass das Fachkräftebarometer derzeit die einzige umfassende Datengrundlage ist, die einen bundesweiten Überblick über das Aus- und Weiterbildungssystem im Bereich der Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern bietet. Inwieweit diese Zahlen jedoch das bestehende System der Aus- und Weiterbildung ausreichend differenziert abbildet, lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht abschließend sagen.
[3] Fachkräftebarometer 2019 (Fußn. 2), S. 22.
[4] Vgl. https://www.kmk.org/dokumentation-statistik/statistik/schulstatistik/schueler-klassen-lehrer-und-absolventen.html. Seitens der Kultusministerkonferenz gibt es derzeit hierzu keine aktuellere Statistik.
[5] Vgl. u.a.: Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (i.F. WiFF): https://www.weiterbildungsinitiative.de/aktuelles/news/detailseite/data/personalausbau-in-der-kindertagesbetreuung-setzt-sich-fort/ (zuletzt abgerufen am 8. Januar 2020) sowie Guglhör-Rudan, A./Alt, C.: Kosten des Ausbaus der Ganztagsgrundschulangebote. Bedarfsgerechte Umsetzung des Rechtsanspruchs ab 2025 unter Berücksichtigung von Wachstumsprognosen, DJI, München 2019, S. 14 ff. Bei den Berechnungen werden unterschiedliche Szenarien (u.a. Qualitätsverbesserungen, steigende Platzbedarfe, unterschiedliche Zeitbedarfe) zugrunde gelegt.
[6] Da die fachschulische Ausbildung für Erzieher/innen i.d.R. auf einer berufsfachschulischen Erstausbildung aufbaut, ist sie dem Grunde nach eine Weiterbildung. Weiterbildung bezieht sich in diesen Empfehlungen deshalb ausschließlich auf die Ebene der Fachschulen für Sozialwesen sowie die hochschulische Weiterbildung von akademischem Personal i.S. jeweils von Ausbildung. Ausdrücklich nicht gefasst ist hier die Weiterbildung i.S. von Fort- und Weiterbildung.
[7] Z.B. die Programme "Lernort Praxis" (https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/neues-programm--lernort-praxis--fuer-eine-hochwertige-kinderbetreuung-gestartet/88818?view=DEFAULT), "Mehr Männer in Kitas" (https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/mehr-maenner-in-kitas--modellprogramm-gestartet/81830?view=DEFAULT) oder die aktuelle Fachkräfteoffensive für Erzieherinnen und Erzieher (https://fachkraefteoffensive.fruehe-chancen.de/aktuelles/)
[8] In diesen "Katalogen" bzw. den Fachkraftverordnungen legen die Länder auf Seiten der Jugend- und Familienkonferenz fest, welche Personen mit welchen Qualifizierungen und Qualifikationen und Abschlüssen als Fach- bzw. Ergänzungs-/Zweitkräfte in den Kindertageseinrichtungen arbeiten können. Eine den momentanen Stand darstellende Übersicht über die derzeit seitens der Länder zugelassenen Qualifikationen und Berufsabschlüsse findet sich in Hübner, T.: Bachelor-Thesis. Fachliche und politische Diskurse zur sozialpädagogischen Fachkraft, Leuphana Universität Lüneburg, 7. März 2019, https://sozialearbeit.verdi.de/themen/ausbildung/++co++56900540-7aff-11e9-948b-001a4a160100, S. 22 (zuletzt abgerufen am 22. Dezember 2019).

Vollständige Empfehlung/Stellungnahme vom 30.04.2020 [PDF, 460 KB]

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