Symposium 3: Sozialen Zusammenhalt sichern – soziale Sicherungssysteme modernisieren

Zusammenfassung

Der soziale Zusammenhalt ist in Deutschland durch zunehmende soziale Ungleichheiten erodiert. Die soziale Herkunft bestimmt in Deutschland immer noch die Aufstiegschancen. Wer in Familien mit niedrigem Bildungsstand und niedrigem Einkommen aufwächst, hat geringe Aussicht, aus dieser Situation aufzusteigen. Die Distanz zwischen chancenreichen und chancenarmen Kindern wird immer größer, zwischen Kindern, die gut ausgebildet werden, die viel im Ausland sind, Zusatzausbildungen und Praktika machen – und Kindern, die kaum Bildung mitbekommen, zurückfallen, hängen bleiben, womöglich keine Ausbildung abschließen. Wenn Erwerbseinkommen mit der Digitalisierung immer mehr von Bildung abhängt, verschärft diese Struktur die Ungleichheit.

Das duale Bildungssystem wird nicht in der Lage sein, die Veränderungen der Digitalisierung so zu bewältigen, dass es möglichst wenige Verlierer gibt. Hinzukommen muss eine lebenslange Weiterbildung auch für Arbeitnehmer, die aus ihren einfachen Tätigkeiten durch Automatisierung verdrängt werden, z. B. in der Straßenreinigung. Es muss unabhängige Stellen in den Kommunen geben, die umfassende und individuelle Beratung für Weiterbildung anbieten, so wie das an fünf Standorten in Modellprojekten erprobt wird.

Die kommunale Landschaft zeichnet sich immer mehr durch Heterogenität und weniger durch Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse aus. Die finanziellen Ressourcen sind ungleich verteilt und diese Ungleichheit verschärft sich. Viele Kommunen sind überschuldet, sie schaffen es nicht, aus den Altschulden herauszukommen und ihre Kernaufgaben zu finanzieren. Das „Kooperationsverbot“ zwischen Bund und Ländern muss aufgehoben und eine dauerhafte Finanzierung neuer Strukturen ermöglicht werden, wenn solche Kommunen z. B. die Inklusion in den Schulen oder eine umfassende Breitbandversorgung realisieren sollen, die eine Grundanforderung im Standortwettbewerb ist.

Eine funktionierende gesetzliche Rentenversicherung ist ein bedeutsamer Faktor für den sozialen Zusammenhalt in Deutschland. Die Rentenversicherung muss eine Pflichtversicherung für alle Erwerbstätigen werden, um diejenigen im Alter abzusichern, die im Zuge der digitalen Transformation der Arbeitswelt immer mehr zu Solo-Selbstständigen werden, aber de facto abhängig Beschäftigte sind.

Mitwirkende

Moderation

  • Werner Hesse, Geschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrverbands – Gesamtverband e. V., Berlin


Vortrag/Diskussion

  • Prof. Dr. h.c. Jutta Allmendinger, Ph.D., Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung gGmbH (WZB)
  • Uwe Lübking, Beigeordneter des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Berlin
  • Eva Strobel, Geschäftsführerin der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg
  • Eva Maria Welskop-Deffaa Vorstand für Sozial- und Fachpolitik des Deutschen Caritasverbands e. V., Freiburg

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