Fachforum 3.1.: In Arbeit kommen – in Arbeit bleiben. Neue Chancen durch einen sozialen Arbeitsmarkt

Zusammenfassung

Im Fachforum wurden Kernelemente, Voraussetzungen, Reichweite und Grenzen für einen sozialen Arbeitsmarkt vorgestellt und erörtert.

Dr. Philipp Fuchs, ISG Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik GmbH, legte dar, dass die Dynamik und Abgänge aus dem Leistungsbezug in Teilen des SGB II nach wie vor gering sind. Es besteht deshalb ein Bedarf an öffentlich geförderter Beschäftigung, auch wenn die Lage am Arbeitsmarkt seit einiger Zeit günstig ist. Durch die sorgfältige Auswahl der Teilnehmenden können Fehlselektionen und Lock-in-Effekten vermieden werden.
Kasper Hauser stellte das Programm der Stadt Zürich für einen sozialen Arbeitsmarkt vor. In Zürich werden Arbeitsintegrationsangebote für rund 1.450 sozialhilfebeziehende Erwachsene, stellenlose Jugendliche und Menschen mit Behinderung jährlich entwickelt und umgesetzt. Die Angebote werden von Sozialfirmen getragen, die in der Schweiz seit den 1990er-Jahren gegründet wurden. Diese Unternehmen verfolgen wirtschaftliche und soziale Ziele. Aktivierung von langzeitarbeitslosen Menschen soll durch Integration in den ersten Arbeitsmarkt oder durch persönliche/soziale Stabilisierung der Lebenssituation durch Arbeit erreicht werden.

Knut Bergmann und Beate Hartmann vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg präsentierten das Programm „Passiv-Aktiv-Tausch PLUS“ des Landes Baden-Württemberg. Mit dem Programm werden Langzeitarbeitslose mit multiplen Vermittlungshemmnissen durch Lohnkostenzuschüsse bei Arbeitgebern vorrangig in der freien Wirtschaft gefördert. Die Förderung ist mit einer sozialen Betreuung für Beschäftigte und Betriebe verbunden. Aufgaben dieser Betreuung sind die Vermittlung und Moderation zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie die Unterstützung der geförderten Personen in schwierigen Lebenslagen. Die Evaluation hat gezeigt, dass Brücken vom Arbeitslosengeld II-Bezug in eine existenzsichernde Beschäftigung gebaut werden können.

Hermann Genz berichtete über die Erfahrungen der Stadt Mannheim mit dem Landesprogramm „Passiv-Aktiv-Tausch PLUS“. Demnach sind Vorschaltmaßnahmen mit einer intensiven Klärung der privaten und beruflichen Zielsetzung der Teilnehmenden, der Aufbau intensiver Kontakte zu Betrieben und die gründliche Klärung der Arbeitsgebererwartungen, eine sozialpädagogische Begleitung sowie eine ausreichende Höhe und Dauer der Förderung (bis zu 100 % für zwei Jahre) zentrale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung. Ein sozialer Arbeitsmarkt kann gelingen, wenn die Förderung ausreichend flexibel gestaltet ist, um kommunale Spielräume zu ermöglichen.

Mitwirkende

Moderation

  • Reiner Prölß, berufsmäßiger Stadtrat, Referat für Jugend, Familie und Soziales der Stadt Nürnberg


Vortrag/Diskussion

  • Knut Bergmann, Referatsleiter im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg, Stuttgart
  • Dr. Philipp Fuchs, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des ISG Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik GmbH, Köln
  • Hermann Genz, Leiter des Fachbereichs Arbeit und Soziales der Stadt Mannheim
  • Beate Hartmann Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg, Stuttgart
  • Kasper Hauser, Stadt Zürich, Soziale Einrichtungen und Betriebe, Geschäftsbereich Arbeitsintegration, Schweiz

nach oben