Symposium 1: Integration – Inklusion – Identitäten: Triebfedern des gesellschaftlichen Zusammenhalts?

Zusammenfassung

"Was bin ich bereit zu verlernen, was ich zu wissen glaube?" Diese Frage spiegelt den Grundtenor des Symposiums und seiner Debatten wider.

In seinem Einführungsvortrag "Sozialraumorientierte Inklusionspolitik – was ist das?" breitete Prof. Dr. Schulz-Nieswandt einen großen Diskursrahmen aus. Ausgehend vom Menschenbild des Grundgesetzes und dem Gebot der Menschenwürde zog er Ableitungen zum Thema des gesellschaftlichen Zusammenhalts und für die Gestaltung eines inklusiven Gemeinwesens als Zielstellung. Dabei bezog er sich u.a. auf das kooperative Menschenbild Kants, das sich im Grundgesetz wiederfinde. Dieser Bezug auf die Grundideen des Grundgesetzes fand sich in den Beiträgen aller Redner aus jeweils unterschiedlichen Blickwinkeln wieder.

Integration hängt nicht an Begriffen, sondern an Haltung. Dieses Prinzip beschrieb die Präsidentin des Baden-Württembergischen Landtags, Muhterem Aras, und führte dies aus mit konkreten Erfahrungen und Erlebnissen ihrer eigenen Geschichte. Als junges Mädchen habe sie wenig Ausgrenzung erfahren, hilfreich war die Freundschaft zu einer deutschen Landwirtsfamilie. Offenheit auf beiden Seiten sei nötig, nicht das Aufgeben einer alten Identität oder Heimat. Vielfalt sei deutsche Realität, unsere Aufgabe sei es, sie sichtbar zu machen, forderte Frau Aras.

Der Migrationsforscher Dr. Mark Terkessidis thematisierte kritisch den Begriff "Vielfalt" als verschleiernd und verniedlichend. Er brachte den Begriff der Vielheit in die Diskussion – die konkret existierende Vielheit der heutigen Bevölkerung sei nicht allein das Ergebnis von Migration. Auf diese nicht umkehrbare Vielheit der Bevölkerung aber müssten sich alle gesellschaftlichen Institutionen einrichten. Statt den Wandel zu beklagen oder die in einer Vielheitsgesellschaft unausweichlichen Spannungen und Konflikte zuzukleistern, sei ein offener und demokratischer Diskurs über den Umgang mit Vielheit nötig. Dabei sei zu fragen: Wer definiert, wer dazugehört und Teil dieser Gesellschaft ist bzw. teilhaben soll und unter welchen Voraussetzungen? Geht es um Teilhabe oder um Teilgabe? Terkessidis beschrieb die aktuelle Situation als "postmigrantisch" und forderte einen Perspektivwechsel für den Regelbetrieb unserer Gesellschaft. Die Gesellschaft brauche "Vielheitspläne", die sich an den unterschiedlichen Hintergründen, Voraussetzungen und Referenzrahmen aller Individuen ausrichteten.

Dieser Perspektivwechsel fand sich auch in der Debatte wieder: Weg von der Sondermaßnahme, hin zu Vielheit als Regelfall, Offenheit für die/das Andere ebenso wie Differenzierung nach den unterschiedlichen Bedarfen und Umständen wurden als notwendig angesehen. Beschworen wurde aber auch die Rolle des Grundgesetzes, seiner Setzung der Menschenwürde als zentrales Element für den Umgang miteinander als Menschenrecht und des wehrhaften Rechtsstaates. Insbesondere wegen dieser Rahmenbedingung funktioniere Vielheit zu großen Teilen und werde zu großen Teilen akzeptiert.

Moderiert wurde das Symposium von Prof. Dr. Georg Cremer.

Mitwirkende

Moderation

  • Prof. Dr. Georg Cremer, Generalsekretär a. D., Freiburg


Vortrag/Diskussion

  • Muhterem Aras, Landtagspräsidentin Baden-Württemberg
  • Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt Universität Köln
  • Dr. Mark Terkessidis,freier Autor und Migrationsforscher, Berlin
  • Präsentationen/Vorträge

    Vortrag von Dr. Mark Terkessidis [PDF, 130 KB]

    Vortrag von Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt
    Teil 1 [PDF, 620 KB]
    Teil 2 [PDF, 490 KB]

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