Fachforum 4.1: Abgetaucht und ausgegrenzt – Welche Hilfen brauchen junge Erwachsene in schwierigen Lebenslagen?

Zusammenfassung

Im Fachforum wurden Begleit- und Förderangebote für junge Menschen erörtert, die im Übergang in das Erwachsenenalter in prekäre psychische oder soziale Lebenssituationen geraten.

Prof. Dr. Joachim Merchel von der Fachhochschule Münster erläuterte, dass es darauf ankommt, tragfähige Arbeitsbündnisse zu schließen, um junge Erwachsene in schwierigen Lebenslagen zu erreichen. Um dies zu erreichen, müssen sich die Organisationen, die Kontakt zu diesen jungen Menschen haben, sich professionell weiterentwickeln. Ziel muss es sein, die „Koproduktionsbereitschaft“ der jungen Menschen aktiv zu fördern.

Dr. Birgit Lambertz, SOS-Kinderdorf e. V., betonte die Notwendigkeit eines rechtskreisübergreifenden Zusammenwirkens als Voraussetzung für eine wirksame Hilfe für junge Erwachsene in schwierigen Lebenslagen. Erfolgsfaktoren für eine wirksame Hilfe bilden eine stabilisierte rechtskreisübergreifende Kooperation der Organisationen, verbindliche Regelungen, zwischen entscheidungsbefugten Vertretern der verschiedenen Organisationen eine personelle Konstanz der Mitarbeitenden sowie die Einbindung der Projekte in den Sozialraum.

Thomas Rutschmann, AGJ-Fachverband für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg e. V., und Nicole Merz, AGJ-Wohnungslosenhilfe im Landkreis Konstanz, zeigten auf, dass junge Erwachsene sich häufig zunächst an Dienste der Wohnungslosenhilfe wenden, wenn sie in schwierige Lebenslagen geraten. Grund ist der niedrigschwellige Zugang. Die jungen Menschen, die um Hilfe fragen, haben meist ihre Ressourcen aufgebraucht. Sie haben den Kontakt zu Familie oder Freunden verloren, haben keine finanzielle Absicherung und keinen Schul- oder Berufsabschluss. Unter den jetzigen Bedingungen sind die Einrichtungen und Dienste nicht ausreichend auf die Unterstützungsbedarfe dieser jungen Menschen ausgerichtet. Notwendig sind Entwicklung altersspezifische Hilfeangebote und die Zusammenarbeit mit Diensten der Kinder- und Jugendhilfe.

Jörg Diehl, Jobcenter Landkreis Rosenheim, beschrieb die Möglichkeiten und Erfordernisse der Hilfeentwicklung in ländlichen Landkreisen. Jungen Menschen in schwierigen Lebenslagen müssen dezentral, am besten wohnortnah, ein Ausbildungsangebot und eine angemessene Förderung angeboten werden können. Hierzu sind freie Träger erforderlich, die mit allen relevanten Leistungsträgern – Jugendamt, Jobcenter, Agentur für Arbeit – zusammenarbeiten können.

Mitwirkende

Moderation

  • Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik Diakonie Deutschland – Evangelischer Bundesverband, Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e. V., Berlin


Vortrag/Diskussion

  • Jörg Diehl, Leiter des Teams 25 Jugendliche im Jobcenter Landkreis Rosenheim
  • Dr. Birgit Lambertz, stellvertretende Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführerin des SOS-Kinderdorf e. V., München
  • Prof. Dr. Joachim Merchel, Fachbereich Sozialwesen der Fachhochschule Münster
  • Nicole Merz, AGJ-Wohnungslosenhilfe im Landkreis Konstanz, AGJ Fachverband für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg e. V.
  • Thomas Rutschmann, AGJ Fachverband für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg e. V.

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