Fachforum 3.6: Hilfen zur Erziehung – präventive sozialräumliche Angebote der Kinder- und Jugendhilfe

Zusammenfassung

Der Handlungsdruck bei der Steuerung und Weiterentwicklung der Hilfen zur Erziehung ist nach wie vor hoch. Dabei spielen sozialraumorientierte Konzepte weiterhin als fachlicher Ansatz eine herausragende Rolle. Anschließend an den 80. Deutschen Fürsorgetag hat der 81. ebenfalls ein Praxisbeispiel – Hamburg – in den Mittelpunkt gestellt.

Professor Dr. Anja Teubert, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Fakultät für Sozialwesen, erläuterte das Fachkonzept Sozialraumorientierung und stellte es als Basis einer wirkungsorientierten Sozialen Arbeit vor. Sie betonte, dass die konsequente Arbeit nach dem Fachkonzept Sozialraumorientierung die Wahrscheinlichkeit erhöhe, dass einzelfallorientierte Hilfen nachhaltig wirken. Die Wirkung von einzelfallspezifischer Arbeit werde nachhaltig durch einzelfallunspezifische und -übergreifende Arbeit gestärkt.

Im Anschluss wurde ein Blick in die Praxis von Sozialraumorientierung geworfen und die sozialräumlichen Angebote der Jugend- und Familienhilfe in Hamburg von Jan Pörksen, Staatsrat der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, vor und zur Diskussion gestellt. Die sozialräumliche Weiterentwicklung der Hamburger Jugendhilfe habe unter anderem dazu geführt, dass mehr Menschen vom vorhandenen Hilfesystem profitieren sowie mehr und neue Unterstützungsangebote für die vom ASD betreuten Familien aufgebaut wurden. Ein Fokus werde auf den Ausbau der rechtskreisübergreifenden Kooperation gelegt. Herr Pörksen hob hervor, dass für eine Weiterentwicklung der HzE/Sozialraumorientierung die Klärung der Rahmenbedingungen, insbesondere der Finanzierungsregelungen, unerlässlich sei.

An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen neben Frau Prof. Teubert und Herrn Pörksen auch Herr Essberger, von ASP Wegenkamp e.V., einem freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe in Hamburg, und Herr Prof. Dr. Lutz, Diakon an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit & Diakonie, teil. Dabei wurde darauf hingewiesen, dass in der Praxis nicht immer das fachpolitisch Gewollte umgesetzt werde. Die Idee, sich am Willen der Adressat/innen zu orientieren, laufe zudem oft konträr zum Steuerungsgedanken. Eine ernsthafte Beteiligung der Nutzer/innen und eine Jugendhilfeplanung seien für eine bedarfsgerechte Angebotsentwicklung notwendig, aber in Gänze nicht realistisch. In der Diskussion wurde deutlich, dass verbindliche Verabredungen auch bei sozialräumlichen Angeboten erforderlich sind.

Mitwirkende

Moderation

  • Karl Janssen, Vorstandsvorsitzender der Stiftung des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge


Vortrag/Diskussion

  • Manuel Essberger, ASP-Gästewohnung und soziale Beratung, ASP Wegenkamp e. V., Hamburg
  • Prof. Dr. Tilman Lutz, Das Rauhe Haus, Evangelische Hochschule für Soziale Arbeit und
    Diakonie, Hamburg
  • Jan Pörksen, Stadtrat, Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration der Freien und Hansestadt Hamburg
  • Prof. Dr. Anja Teubert, Studiengangsleitung Soziale Arbeit mit Menschen mit Behinderung, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Villingen-Schweningen

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