Symposium: 2 Familie hält die Gesellschaft zusammen – Was hält die Familie zusammen?

Zusammenfassung

Aufgabe von Familienpolitik ist es, zeitgemäß auf die unterschiedlichen Bedarfe der vielfältigen Familienformen und Lebensmodelle im 21. Jahrhundert zu reagieren und damit gesellschaftliche Veränderungen nachzuzeichnen. Ob und inwieweit die aktuellen familienpolitischen Maßnahmen Familien in ihrer Vielfalt unterstützen und welche Verbesserungen für die unterschiedlichen (Familien-)Konstellationen notwendig sind, diskutierten Petra Mackroth, Professorin Dr. Pasqualina Perrig-Chiello, Nora Schmidt und Werner Wölfle.

In der von Wolfgang Stadler moderierten Diskussion bestand schnell Einigkeit, dass die Familie keineswegs ausgedient hat, sondern nach wie vor die Basis der Gesellschaft ist und für den Großteil der Bevölkerung auch einen zentralen Stellenwert hat.
Alle Podiumsgäste machten jedoch deutlich, dass die an Familien gestellten Anforderungen steigen und nicht überall eine bedarfsgerechte Unterstützung zu verzeichnen ist. Einigkeit bestand zunächst aber dahingehend, dass sich im Bereich der Vereinbarkeit von Familienleben mit kleinen Kindern und Erwerbsleben insbesondere durch Ausweitung von Betreuungsangeboten und durch das Elterngeld einiges zeitgemäß verändert hat. Auch wurde die vermehrte Väterbeteiligung an Sorgearbeit positiv bewertet. Nachdrücklich wiesen die Expert/innen aber darauf hin, dass es mit der Vereinbarkeit zunehmend schlechter aussieht, wenn die Kinder oder die eigenen Eltern älter werden.

Dies verdeutlicht sich bereits am Übergang Kita – Schule in der an vielen Stellen unzureichenden Angebotslandschaft quantitativer wie qualitativer Grundschulbetreuung. Spätestens aber im Bereich der Pflege von Angehörigen kommen Familien oft an ihre Belastungsgrenzen. Insbesondere Frauen stehen vor einem schwer aufzulösenden Anforderungsbündel zwischen an sie gestellter Erwartungen hinsichtlich der Pflege und Fürsorge gegenüber Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen einerseits und Teilhabe am Erwerbsleben entsprechend der eigenen Ausbildung und Qualifikation andererseits. Denn während Frauen zunehmend gut ausgebildet, zur selbstständigen wirtschaftlichen Absicherung angehalten und nicht zuletzt angesichts der Fachkräftemangelsituation nachgefragte Arbeitskräfte sind, haben – auch unbezahlte – Pflege und Care-Arbeit nach wie vor ein weibliches Gesicht.

Insgesamt wurde es für notwendig erachtet, sich noch enger an den tatsächlichen Wünschen der Familien und ihrer gelebten Wirklichkeit zu orientieren und nicht – wie es noch an vielen Stellen der Fall ist – nur eine traditionelle Vater-Mutter-Kind-Konstellation als Leitbild bzw. Orientierungsrahmen der verschiedenen Systeme zu berücksichtigen.

Mitwirkende

Moderation

  • Wolfgang Stadler, Vorstandsvorsitzender des Arbeiterwohlfahrt Bundesverbands e. V., Berlin


Vortrag/Diskussion

  • Petra Mackroth, Abteilungsleiterin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin
  • Nora Schmidt, Geschäftsführerin im Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V.
  • Prof. Dr. Pasqualina Perrig-Chiello, Universität Bern
  • Werner Wölfle, Bürgermeister für Soziales und gesellschaftliche Integration der Landeshauptstadt Stuttgart

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