Fachforum 2.4: Fit fürs Netz? Digitale Bildung – ein Baustein zur Teilhabe im Alter

Zusammenfassung

Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) haben den Alltag nachhaltig verändert. Schnelle Wege der Informationsbeschaffung, des Kontakts und sozialen Austauschs sowie Dienstleistungen aller Art liefert das Internet. Auch ältere Menschen nutzen und genießen Schnelligkeit und Service rund um die Uhr zur selbstbestimmten Alltagsgestaltung und zur Teilnahme am öffentlichen Leben.

Die schnelle technische Entwicklung und die Digitalisierung aller Bereiche bergen Risiken für ältere Menschen, denen aus unterschiedlichen Gründen der Zugang schwerfällt oder nicht mehr möglich ist. Der Sechste Altenbericht hat diesen „Digital Gap“ als neue Linie sozialer Ungleichheit und Exklusionsrisiko im Alter thematisiert.

Marc-Axel Hornfeck, BMFSFJ, erläuterte die Vorhaben der Bundesregierung im Handlungsfeld Bildung und Alter mit dem Fokus auf der digitalen Bildung. Dabei gilt es zu differenzieren: Ältere Menschen sind eine in jeder Hinsicht heterogene Gruppe. Dies gilt auch bei der Nutzung und dem Verständnis digitaler Medien. Herr Hornfeck hatte dazu interessante Daten aufbereitet und zog Schlussfolgerungen für die Seniorenpolitik. Neben den Handlungsoptionen für den Einzelnen stellte er die Möglichkeiten eines digitalisierten Sozialraums im Hinblick auf assistierende Technologien, unterstützendes Wohnumfeld, vernetzte Kommunikation, Selbstbestimmung und Kompetenzerwerb usw. vor. Hier soll die Servicestelle „Digitalisierung und Bildung für ältere Menschen“ bei der BAGSO Netzwerkknoten sein, der mit einer Aktions-, Informations- und Beratungsplattform solche Entwicklung positiv begleitet.

Joachim Schulte, Digital-Kompass, erläuterte die Bedeutung der subjektiven Einschätzung älterer Menschen in ihr eigenes Vermögen zur Aneignung der „neuen“ Techniken und zum souveränen Umgang damit. Ältere technikaffine Menschen nutzen häufig sehr kompetent hochleistungsfähige Geräte – andere sind skeptisch oder überfordert, befürchten Datenklau und Internetabzocke. Sie benötigen Unterstützung beim Kompetenzerwerb und auf ihre Bedürfnisse ausgerichtete Trainings und Ansprache. Informelle (generationenübergreifende) Lern- und Trainingsgruppen, Senioren-Technik-Lotsen oder „digitale Stammtische“ sind nachgefragte Angebote in Seniorenbüros, Mehrgenerationenhäusern, Begegnungsstätten usw. Viele Kommunen unterstützen solche Initiativen. Gerade für benachteiligte ältere Menschen sollten in den Kommunen niedrigschwellige Zugänge zu den modernen Technologien vorhanden sein. In der Diskussion wurde eingebracht, dass Kosten der digitalen Teilhabe bisher in der Grundsicherung im Alter keine Berücksichtigung finden – dies gilt auch für assistierende Technologien (AAL).

Kritisch ist zu thematisieren, dass die Industrie ältere Menschen als kompetente Nutzer/innen kaum anspricht. Produktgestaltung findet ohne diese Zielgruppe statt und so sind Funktionalität und Design oft wenig „nutzertauglich“. Auf Jugend und Coolness ausgerichtete Werbe- und Verkaufsstrategien wirken abschreckend.

Mitwirkende

Moderation

  • Dagmar Vogt-Janssen, Leiterin des Fachbereichs Senioren, Kommunaler Seniorenservice der Landeshauptstadt Hannover


Vortrag/Diskussion

  • Marc Hornfeck, Referatsleiter im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin
  • Joachim Schulte, Projektleiter Digital-Kompass – Deutschland sicher
    im Netz e. V., Berlin

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