Fachforum 1.11: Demenz und Migration

Zusammenfassung

Die Robert Bosch Stiftung hat mit dem Ziel, die Lebenssituation von Menschen mit Migrationsgeschichte und Demenz zu verbessern, das Projekt DeMigranz ins Leben gerufen. Ziel ist es, die in Deutschland lebenden Betroffenen und ihre Familien gut über das Thema Demenz zu informieren und den Zugang zu Unterstützungsangeboten zu verbessern.

Zum Start des Forums schildert Ergun Can, welche Auswirkung das Zusammenleben mit einem demenzerkrankten Familienmitglied haben kann. Der Hausarzt stellte die Familie vor die Entscheidung, entweder die Mutter einer professionellen Pflege zu überantworten oder in der weiteren Überlastung die eigene Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Nach dem Umzug ins Pflegeheim galten die täglichen Besuche der Tochter u.a. auch dem Ausgleich einer noch nicht weit entwickelten Kultursensibilität in Bezug auf Kommunikation, Ernährung und Pflege. Im Projekt werden dieses und weitere Themen in den Blick genommen und Begegnungsräume geschaffen, um einen Austausch zu ermöglichen, zwischen Vertreter/innen von Migrantenverbänden und Kulturvereinen und Mitarbeiter/innen der Landkreise aus dem Bereich Seniorenarbeit und Altenhilfe. In einem mehrjährigen Prozess sollen mit allen relevanten Akteuren in den Bundesländern tragfähige Arbeitsstrukturen vor Ort (weiter-)entwickelt und ein Netzwerk aufgebaut werden. In der ersten Projektphase sind Baden-Württemberg, Sachsen und Schleswig-Holstein beteiligt.

In einer Diskussionsrunde mit Herrn Can und drei Mitarbeiter/innen (Frau Alterio, Frau Miskovic, Frau Labrinakou) aus dem Forum der Kulturen werden Erfahrungen mit dem deutschen Gesundheitssystem und dem Thema Demenz ausgetauscht. Einig sind sich alle, dass in den Familien inzwischen offener über das Thema gesprochen werde. Die zweite oder dritte Generation fungiere häufig noch als „Gesundheitslotsen“, weil die Sprachbarrieren für die erste Zuwanderungsgeneration zu hoch sei. Wohnformen wie ambulant betreute Wohngemeinschaft für z.B. türkeistämmige Mieter/innen sind neu und rar. In Stuttgart hat die WG mit dem Namen „Emin Eller“ nach drei Jahren erstmals eine Warteliste – jetzt hat sich dieses Angebot „herumgesprochen“. Bedenklich stimmt es die Diskussionsrunde, wenn ältere Familienangehörige in ihren Heimatländern leben, in denen die Versorgung von Menschen mit Demenz außerhalb der Familie noch zu verbessern sei.

Heinz Lübke, Demenz Servicezentrum für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und Kooperationspartner im Projekt, beendet das Fachforum mit Informationen zur Landesinitiative Demenz in Nordrhein-Westfalen und insbesondere zu den Aktivitäten im Feld Migration.


Veranstaltung von:

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Mitwirkende

Moderation

  • Christina Kuhn, Demenz Support Stuttgart gGmbH
  • Sümeyra Öztürk, Demenz Support Stuttgart gGmbH


Vortrag/Diskussion

  • Ergun Can
  • Sara Alterio
  • Anna Labrinakou
  • Heinz Lübke
  • Suzana Miskovic

Hinweis


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