Pressemitteilungen 2016

18.11.2016 – Es gibt keine Pauschallösung beim Thema Minderjährigen-Ehe

Anlässlich des Jahrestages der UN-Kinderrechtskonvention am 20.11.2016 fordert der Internationale Sozialdienst im Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. einen kindeswohl- und lebensweltorientierten Umgang mit im Ausland geschlossenen Minderjährigen-Ehen.

„Unsere Position ist klar“, sagt Michael Löher, Vorstand des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. „Kinderehen dürfen nicht befürwortet werden. Sie widersprechen den wesentlichen Standards zum Schutz von Kindern.“ Im Umgang mit minderjährigen Verheirateten sei es aber wichtig, dem Einzelfall gerecht zu werden. Es dürfe nicht ausgeblendet werden, dass ein generelles Nichtanerkennen dieser Ehen Auswirkungen auf unterschiedliche Lebensbereiche der Minderjährigen habe. Der Blick in die Praxis zeige, dass insbesondere die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe vor große Herausforderungen stünden.

Im Rahmen der täglichen Beratung der Fachkräfte erreichen den Internationale Sozialdienst hauptsächlich zwei Fragestellungen: Wenn man die Eheleute trennt, wie sieht dann die Sorgerechtssituation für gemeinsame Kinder aus? Und: Wie erhält man überhaupt Zugang zu den minderjährigen Ehepartnern? Der Internationale Sozialdienst rät in diesem Zusammenhang, abzuwägen, was das eigene Eingreifen für die Lebenswelt der Minderjährigen und auch deren Kinder bedeute und welche familiären, persönlichen, psychischen und sozialen Auswirkungen es habe. Um einen guten Zugang zu den Minderjährigen zu erhalten, sei zu bedenken, dass oft wenig Vertrauen zu staatlichen Institutionen und somit auch Unterstützungsangeboten, vorherrsche. Hierbei könnte es hilfreich sein, „Integrationslotsen“ als niedrigschwellige Unterstützungsform zu nutzen, um den Zugang zu öffentlichen Hilfeleistungen zu erleichtern.

„Es gilt vor allem die Minderjährigen selbst zu stärken ohne dabei ihre Lebenswelt außer Acht zu lassen“, so Micheal Löher.

Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. ist das gemeinsame Forum von Kommunen und Wohlfahrtsorganisationen sowie ihrer Einrichtungen, der Bundesländer und von den Vertretern der Wissenschaft für alle Bereiche der sozialen Arbeit und der Sozialpolitik. Er begleitet und gestaltet durch seine Expertise und Erfahrung die Entwicklungen u.a. der Kinder-, Jugend- und Familienpolitik, der Sozial- und Altenhilfe, der Grundsicherungssysteme, der Pflege und Rehabilitation. Der Deutsche Verein wird gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Als Träger der ‚Zentralen Anlaufstelle für grenzüberschreitende Kindschaftskonflikte und Mediation‘ informiert und berät der Internationale Sozialdienst Eltern, aber auch Rechtsanwälte und andere Fachleute kostenfrei, vermittelt Mediatoren und andere Ansprechpartner/innen. Erste Informationen und Kontaktdaten können unter www.ZAnK.de und www.issger.de abgerufen werden.

Vollständige Pressemitteilung vom 18.11.2016 [PDF, 100 KB]

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