Pflegedialog mit Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler zum Thema Demenz
Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V. fordert die leistungsrechtliche Umsetzung des „Neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs“.
Heute findet der vierte und voraussichtlich letzte Pflegedialog mit Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler zur Vorbereitung der für diesen Sommer geplanten Reform der Pflegeversicherung zum Thema „Versorgung demenziell erkrankter Menschen“ statt. Der Deutsche Verein nimmt daran teil.
In Deutschland leben zurzeit ca. 1,2 Millionen Menschen mit Demenz. Wissenschaftlichen Prognosen zufolge wird diese Zahl im Jahr 2030 auf ca. 1,8 Millionen ansteigen.
Michael Löher, Vorstand des Deutschen Vereins fordert „eine personen- und bedürfnisorientierte Unterstützung und Betreuung von Menschen mit Demenz. Demenz macht aufgrund ihrer weitreichenden Folgen ein breites Spektrum unterstützender Strukturen erforderlich. Eine erfolgreiche Versorgung vor Ort braucht ein abgestimmtes Handeln aller Akteure: Kranken- und Pflegekassen, Kommunen, Wohlfahrtsverbände, Hausärzt/innen, Interessenvertretungen, Vereine, und Selbsthilfegruppen.“
Die neu eingerichteten Pflegestützpunkte können hierbei unterstützen und sind Sinnvollerweise in die Kommunale Verantwortung zu übertragen. Die steigende Zahl alleinlebender Menschen mit Demenz und dementiell erkrankte Menschen mit Migrationshintergrund muss in der Planung und Umsetzung von Maßnahmen berücksichtigt werden. Zum Abbau von Stigmatisierungen und bestehenden Tabus gegenüber Demenzkranken und pflegenden Angehörigen ist die Durchführung einer breiten Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit erforderlich. Prävention und gesundheitsfördernde Maßnahmen für Demenzerkrankte und ihre pflegenden Angehörigen sollten ausgebaut werden.
„Zur Entlastung pflegender Angehöriger sollten vor Ort flächendeckend, kleinräumige und niedrigschwellige Entlastungsangebote entstehen oder weiter entwickelt und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aktiv gefördert werden“, betont Löher weiter. Bürgerschaftliches Engagement und Selbsthilfe müssen gestärkt werden. Der Deutsche Verein macht hierbei auf die große Bedeutung der Nachbarschaft aufmerksam und fordert eine größere Wertschätzung nachbarschaftlicher alltäglicher Hilfen.
Der Ausbau von teilstationären Pflegeangeboten sowie der Kurzzeit- und der Verhinderungspflege tragen ebenso zur Entlastung der Angehörigen bei, wie der Ausbau altersgerechter Wohnungen für Menschen mit Demenz für deren Verbleib in der eigenen Häuslichkeit relevant ist. Für Pflegebedürftige ist die Schaffung und Weiterentwicklung moderner stationärer Wohn- und Betreuungsformen für Menschen mit Demenz besonders wichtig. Die gesetzliche Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs ist notwendig, damit kognitive Beeinträchtigungen und psychosoziale Faktoren in der Versorgung und Unterstützung von Menschen mit Demenz endlich Anerkennung finden.
Der Deutsche Verein ist das gemeinsame Forum von Kommunen und Wohlfahrtsorganisationen sowie ihrer Einrichtungen, der Bundesländer und Vertreter der Wissenschaft für alle Bereiche der sozialen Arbeit und der Sozialpolitik. Er begleitet und gestaltet durch seine Expertise und Erfahrung die Entwicklungen u.a. der Kinder-, Jugend- und Familienpolitik, der Sozial- und Altenhilfe, der Grundsicherungssysteme und der Pflege und Rehabilitation.



