Bildung für alle – Fachkräfte für Deutschland
Bundesweites Programm macht gegen Schulabbruch und Schulverweigerung mobil
Fast 2.000 junge Menschen, die seit langem die Schule geschwänzt haben, werden wieder fit für das Leben und die Schule gemacht. „Fast vier von fünf Schulverweigerern können in die Schule zurückgeholt werden, wenn alle an einem Strang ziehen“, fasst Michael Löher, Vorstand des Deutschen Vereins, den erfolgreichen Start eines bundesweiten ESF - Modellprogramms „Schulverweigerung – Die 2. Chance“ zusammen. Alle, das sind zunächst die Schülerinnen und Schüler sowie ihre Eltern, die Schule, die Jugendhilfe, die Wirtschaft und die örtlichen Bildungsnetzwerke.
Der Fachkräftemangel in Deutschland ist eklatant: Schon jetzt müssen aus den Nachbarländern Fachkräfte geworben werden, damit Zukunft und Wohlstand weiter gesichert sind. Angesichts des demografischen Wandels, der in den nächsten 10 Jahren wegen des Geburtenrückgangs einen deutlichen Schwund der jungen Alterskohorten erwarten lässt, haben wir sowieso schon viel zu wenig Nachwuchskräfte für unsere Wirtschaft. Diese Situation droht sich weiter zu verschärfen: Nach dem jüngsten Bildungsbericht der Bundesregierung verlassen jährlich etwa 76.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Zwischen 300.000 und 500.000 junge Menschen schwänzen mehr oder weniger nachhaltig den Unterricht und sind damit stark gefährdet, sich dadurch in eine Bildungssackgasse zu manövrieren.
Diesem Negativtrend soll mit einem bundesweiten Modellprogramm etwas entgegengesetzt werden. Vom September 2006 bis August 2008 wurden aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bundesweit insgesamt 73 Koordinierungsstellen eingerichtet, die sich vom Schulausstieg bedrohten Kindern und Jugendlichen annehmen. Nach dem Motto „fördern und fordern“ wird den jungen Menschen ermöglicht, ihre Ressourcen im schulischen und sozialen Bereich zu aktivieren und ihre Bildungslücken aufzuholen und so wieder Fuß zu fassen. Jugendhilfe, Schule, Eltern und Schüler arbeiten im Schulterschluss: Der Blick ist nach vorne gerichtet, das Ziel ist das Erreichen eines Schulabschlusses. „Damit aus der Idee ein Erfolgsmodell wird, haben wir vor Ort Koordinierungsstellen eingerichtet, die für die Motivation der jungen Menschen und für eine Vernetzung aller örtlichen Bildungsressourcen sorgen sollen“, so Programmleiter Josef Faltermeier.
Bislang haben sich über 2.800 Schülerinnen und Schüler am Programm beteiligt. Wegen des großen Erfolgs des Programms sollen die bundesweit 73 Standorte ab September 2008 auf insgesamt 200 erhöht werden.
Verantwortlich für die Durchführung des Modellprogramms war in der Startphase von 2006 bis August 2008 der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V. in Berlin. Künftig wird das Modellprogramm von der Stiftung SPI (Sozialpädagogisches Institut Berlin) und der gsub (Gesellschaft für soziale Unternehmensberatung mbH) weitergeführt. Die neue Regiestelle wurde vom BMFSFJ eingerichtet, um alle ESF-Programme aus einer Hand zu steuern.
Der Deutsche Verein befasst sich seit Jahren mit einer strukturellen Verbesserung der Bildungsbedingungen für junge Menschen. So hat er von 2002 bis 2005 in fünf Bundesländern ein Schulpraxismodell „Coole Schule: Lust statt Frust am Lernen“ gemeinsam mit der Deutschen Bank Stiftung durchgeführt, das jungen Menschen im Rahmen eines Ganztagesangebotes schulische und soziale Bildungskompetenzen „aus einer Hand“ vermittelt hat. Auch künftig wird sich der Deutsche Verein weiterhin am Ausbau des Bildungswesens in Deutschland beteiligen.
Weitere Informationen:
www.zweite-chance.eu



